Bewegung für religiöse Erneuerung
Grundsätzliches
Die Christengemeinschaft wurde am 16. September 1922 durch 45 Menschen, die als Priester für eine Erneuerung des religiösen Lebens wirken wollten, begründet. Eine entscheidende Hilfe leistete Rudolf Steiner, der Begründer der
Anthroposophie.
Die Christengemeinschaft hat eine eigene Priesterausbildung. Das Priestertum der Frau ist in ihr von Anfang an verwirklicht.
Die Christengemeinschaft hat heute Gemeinden in allen fünf Erdteilen. Der Kultus wird in der jeweiligen Landessprache vollzogen.
Arbeit in Wuppertal
In den Jahren 1925 und 1927 wurden in den damals getrennten Städten Barmen und Elberfeld zwei Gemeinden gegründet, die bis zum Verbot der Christengemeinschaft in der Zeit des Nationalsozialismus 1941 bestanden. 1945 konnte die Arbeit - in nun einer Gemeinde - in Wuppertal wieder aufgenommen werden. Nach verschiedenen provisorischen Stätten wurde die Kirche in der Schloßstraße am 16. September 1956 geweiht. Das Wohnhaus Schloßstraße 33, der Kapellenanbau sowie das Altenwohnheim Meckelstraße 2 entstanden nach und nach in den folgenden Jahren.
Der Kultus
Für das religiöse Leben in der Christengemeinschaft sind die kultischen Handlungen in gleich bleibender Gestalt von zentraler Bedeutung.
Der Kultus wird geprägt durch die sieben Sakramente in erneuerter Form:
Die Taufe
Die Konfirmation
Die Beichte
Die Menschenweihehandlung
Die Trauung
Die Priesterweihe
Die Ölung
Darüber hinaus gibt es auch nicht-sakramentale kultische
Handlungen:
Die Sonntagshandlung für die Kinder
Die Predigt
Die Aussegnung und Bestattung
Der Mittelpunkt des kultischen Lebens ist die Menschenweihehandlung mit der Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi und der Kommunion. An ihr kann jeder Erwachsene teilnehmen, dem ein religiöses Leben Bedürfnis ist. Die Zeiten sind im Gemeindeprogramm (im Vorraum ausgelegt) angegeben. Einführende Schriften zum Kultus der Christengemeinschaft sind in der Gemeinde erhältlich. Eine festgelegte theologische Lehrmeinung gibt es in der Christengemeinschaft nicht. Die Kirche ist während des Tages stets offen.
Rechtliche und wirtschaftliche Organisation
In Deutschland haben sich die Gemeinden regional zu Körperschaften des öffentlichen Rechts zusammengeschlossen. Die Körperschaftsrechte wurden von den Kultusministerien der Bundesländer erteilt. Die Christengemeinschaft hat damit den gleichen Rechtsstatus wie die katholische und evangelische Kirche.
Die einzelnen Körperschaften sind zu einem Körperschaftsverband zusammengeschlossen.
Außerhalb Deutschlands ist die Rechtsform je nach den gesetzlichen Voraussetzungen der verschiedenen Staaten unterschiedlich.
Als Gesamtheit hat die Christengemeinschaft international die Rechtsform einer Stiftung nach holländischem Recht unter dem Namen "Foundation The Christian Community (international)".
Die Christengemeinschaft wird finanziell durch freiwillige Beiträge und Spenden ihrer Mitglieder und Freunde getragen. Auf das in Deutschland mögliche Recht der Einziehung von Kirchensteuern durch den Staat hat die Christengemeinschaft ausdrücklich verzichtet.
Alle rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen werden von verantwortlichen Gemeindemitgliedern und Priestern gemeinsam gleichberechtigt behandelt. Der Kultus ist in die besondere Verantwortung der Priester gegeben.
Mitgliedschaft
Mitglied in der Christengemeinschaft wird man nicht durch Geburt, Taufe oder Konfirmation, sondern durch eigenen Entschluss als Erwachsener. Die Aufnahme erfolgt durch einen Priester der örtlichen Gemeinde.
Die Vielfalt des Gemeindelebens, wie es sich im Gemeindeprogramm widerspiegelt, ist wesentlich von der Aktivität der Gemeindemitglieder geprägt.
Weitere Informationen können Sie auch auf der Internetseite der Christengemeinschaft weltweit bekommen: www.christengemeinschaft/org
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DIE CHRISTENGEMEINSCHAFT in Wuppertal
Ein Blick auf die Gemeindegeschichte.
Wuppertal ist eine Stadt, die erst 1929 aus dem Zusammenschluss mehrerer bis dahin selbständiger Orte entstand. Die größten davon waren Elberfeld und Barmen. So entwickelten sich zunächst an diesen beiden Standorten zwei getrennte Gemeinden der Christengemeinschaft, in Barmen 1925 begründet, in Elberfeld 1927.
Gründungspfarrer waren: in Barmen Hilmar von Hinüber und in Elberfeld Alfred Schütze. Während in den Jahren bis 1941 (Verbot der Christengemeinschaft) in Elberfeld immer nur ein Pfarrer tätig war, wirkten in Barmen zeitweise vier Pfarrer gleichzeitig. So steht es jedenfalls in den offiziellen Unterlagen. Aus eigener Erinnerung weiß ich jedoch, dass Frau Martha Hemleben (formal Pfarrerin in Barmen) in der Elberfelder Gemeinde den Kindern Religionsunterricht erteilte.
Gemeindeausflüge machten die beiden Gemeinden manchmal zusammen, und sicher weiß ich, dass die Konfirmation im Jahre 1941 für die Konfirmanden beider Gemeinden in Barmen stattfand.
Mit seiner Arbeit für entlassene Strafgefangene im "Haus der Freunde" (Einweihung 1931) wirkte Herr von Hinüber in bemerkenswerter Weise über die Gemeinden hinaus.
Zum Zeitpunkt des Verbots waren drei Pfarrer in Wuppertal tätig: Dr. Albrecht Weymann (seit 1934 in Elberfeld), Rudolf Baarmann (seit 1937 in Barmen) und Richard Gitzke (seit 1939 in Barmen). Die Menschenweihehandlung fand zu der Zeit in Elberfeld im Hinterhaus eines Tierpräparators in der Nähe des Landgerichts (Adolf Hitler-Str. 145a) statt, in Barmen im Wohnhaus Albertstr. 25, in dem auch Herr Gitzke wohnte.
Nach dem Krieg wurde die Arbeit 1945 zunächst von Herrn Baarmann wieder aufgenommen und die Menschenweihehandlung in Räumen der Maschinenbauschule an der Pauluskirchstraße in Barmen gefeiert. Bald konnten auch Herr Dr. Weymann und Herr Gitzke in die Arbeit einsteigen.
Mit dem Neubeginn gab es jetzt nur noch eine Gemeinde, die Gemeinde Wuppertal. Später wurde ein Domizil in den Räumen der Rheinischen Textilwerke in der heutigen Friedrich Ebert-Straße (nahe dem Robert Daum-Platz) gefunden, und im Mai 1948 gelang es, in der Brucher Schulstraße (am Barmer Bahnhof) eine ganze Etage zu mieten, die in Eigenarbeit für die Bedürfnisse der Gemeinde umgestaltet wurde. Die damals eingebauten Fenster (mit "abben" Ecken) sind heute noch dort zu sehen.
Diese Räume konnte die Gemeinde bis zum Mai 1953 nutzen, dann wurden sie gekündigt. Unterkunft gewährte die Rudolf Steiner-Schule in der Haderslebener Straße. Der Musikraum konnte sonntags genutzt werden; ein darüber liegender Klassenraum diente als Sakristei.
Von 1949 bis 1952 waren nur zwei Pfarrer in der Gemeinde tätig (Herr Dr. Weymann und Herr Gitzke), dann kam Else Schmück hinzu und 1953 Wilhelm Rieber.
Dass die Unterkunft in der Haderslebener Straße nur ein minimaler Notbehelf war, konnte jeder aus der Gemeinde erkennen, und die Gedanken richteten sich auf einen Kirchenbau. Von den außerordentlichen Willenskräften Wilhelm Riebers impulsiert, ging die Gemeinde darauf zu. Bis zur Realisierung verging
aber doch geraume Zeit. Im September 1954 konnte das Grundstück an der Schloßstraße erworben werden, die Kirche wurde dann am 16. September 1956 durch Lic. Emil Bock geweiht.
Bis dahin fanden größere Veranstaltungen oft im Saal des heutigen Polizeipräsidiums statt, z.B. Vorträge und Konfirmationen. Für die Weihnachtsweihehandlungen stellte die Rudolf Steiner-Schule die Turnhalle zur Verfügung.
Der Baubeschluss durch die Gemeinde fand in eindrucksvoller Weise bei außerordentlich großer Beteiligung im Saal der Stadtbücherei in Elberfeld statt. Nach meiner Einschätzung war das der Ursprung der unmittelbaren Teilnahme der Gemeinde an grundsätzlichen Beschlüssen.
Ab 1958 bis 1967 wirkten die drei Pfarrer Dr. Weymann, Rieber und Schmück in Wuppertal, nachdem Herr Gitzke 1957 die Gemeinde verlassen hatte.
1960/61 entstand das Wohnhaus Schloßstraße 33 sowie 1962/63 der Kapellenanbau. Durch eine Erbschaft (Ehepaar Winkel) konnte der Gedanke an ein Altenwohnheim an Schloßstraße/Meckelstraße allmählich konkrete Formen annehmen. Durch den außerordentlichen Einsatz von Herrn Werner Breil (Kassenwart von 1952 bis 1961) wurde das Altenwohnheim dann in den Jahren 1970 bis 1974 realisiert.
Zum Pfarrerkollegium traten 1968 Helmut Lubitz (bis 1983) und Siegfried Schwiersch hinzu. 1970 kam Engelbert Fischer (bis 1981) nach Wuppertal, und Herr Schwiersch schied aus.
Nach Fertigstellung aller Bauten und dem Ausscheiden von Herrn Rieber (aus Altersgründen 1979) begann deutlich ein neuer Abschnitt in der Gemeindeentwicklung. Er wurde geprägt von Fragen der Zusammenarbeit zwischen Pfarrern und Gemeinde, diese im Wesentlichen vertreten durch den Wirtschaftskreis. Im Pfarrerkollegium gab es eine Reihe von Wechseln. Es seien hier nur die Namen genannt: Gwendolyn Fischer 1980/81, Richard Dancey 1980/81, Friedegund Weizsäcker-Knörrich 1982-1986, Peter J. Knörrich 1982-1986, Dierk Schneider 1982, Jukka Kuoppamäki 1986-1992, Friederike Riedmüller ab 1987, Rudolf M. Sudbrack 1988-1999.
Nach dem Tode von Herrn Dr. Weymann 1992 waren für zwei Jahre Frau Riedmüller und Herr Sudbrack allein in Wuppertal als Pfarrer tätig, bis 1995 Gerrit Balonier dazukam.
In dieser ganzen Zeit, vor allem während des Wirkens von Ehepaar Knörrich, zeigte sich, dass der Wirtschaftskreis nicht das alleinige Organ der Gemeinde sein kann, da viele Fragen der Zusammenarbeit gar nicht die Finanzen und das Wirtschaftsleben betreffen.
So wurde 1986 eine Art Gemeinderat gebildet, in dem alle anstehenden Probleme erörtert werden sollten. Er löste sich aber in den Jahren 1992/93 allmählich auf, da seine Funktion nicht genau gefasst war.
Nachdem 1995 Herr Balonier zum Kollegium hinzugekommen war, wurden die Fragen der inneren Struktur der Gemeinde, der Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten neu aufgegriffen und in der Gemeinde deutlich gemacht. Es entstand ein neuer Gemeinderat mit jetzt klar umrissenen Aufgaben und Kompetenzen, und die Verantwortlichkeiten der einzelnen Arbeitskreise wurden formuliert. Zum Wirtschaftskreis kamen jüngere Mitglieder hinzu, und ein Sozialkreis sowie ein Baukreis entstanden.
Mit dem Jahr 1999 vollzog sich noch einmal ein Wechsel im Pfarrerkollegium durch den Fortgang von Herrn Sudbrack, dafür kam 1999 Andreas von Wehren neu in die Gemeinde.
Mit dem Beginn des Jahres 2002 nahm Herr Gottschalk, ein Gemeindemitglied, das als Nichtpfarrer seine berufliche Aufgabe in der Christengemeinschaft sieht und ein reguläres Gehalt bekommt, seine Arbeit als Gemeindesekretär auf. Er nimmt auch viele Aufgaben wahr, die früher von Gemeindehelferinnen wahrgenommen wurden. Unsere Gemeindechronik hat alle Namen festgehalten. Sie erhielten zumeist nur eine Art Taschengeld oder verrichteten die Arbeiten ehrenamtlich, wie vor dem Eintritt des Gemeindesekretärs zehn Jahre lang eine Helferin im Büro und heute noch alle in der Sakristei, im Garten etc. Tätigen.
Die vielen Helfer sowie die vorhandenen Räume ermöglichten es, dass dreimal die Gesamtsynode der Pfarrer in der Christengemeinschaft in Wuppertal stattfinden konnte (1978, 1998 und 2000). Auch die Mitarbeiterkonferenzen in den Jahren 1988, 1991, 1994, 1996, 1998, 2000, 2002 wären ohne sie nicht möglich gewesen.
Viele Studierende am Priesterseminar konnten in Wuppertal als Praktikanten längere oder kürzere Zeit tätig sein und damit die Erfordernisse einer verhältnismäßig großen Gemeinde kennenlernen.
Die Gemeinde richtete mit ihrem Arbeitskreis "Öffentlichkeitsarbeit" den Blick über den eigenen Bereich hinaus und versuchte, das, was mit der Umgestaltung des Zugangs zur Kirche an Öffnung sichtbar geworden war, weiter in die Tat umzusetzen.
Im "Forum", einer offenen Gesprächszusammenkunft, entstanden nach dem 11. September 2001 und den darauf folgenden Friedensandachten, werden Fragen des Zeitgeschehens miteinander behandelt unter dem Gesichtspunkt "Wie wird Christentum heute wirksam?"
Der bisher letzte Pfarrerwechsel mit dem Weggang von Herrn Balonier und dem Hinzukommen von Ralf Steinhoff im Jahre 2003 kann für die Gemeinde als Herausforderung empfunden werden, begonnene Impulse in innerer Stärke durchzutragen und zu erweitern.
04.10.2003 Harald Sträßer
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einen Text über die finanziellen Grundlagen finden Sie hier Die Finanzen der Christengemeinschaft in Wuppertal