WOUTER KOTTE / URSULA MILDNER

Das Kreuz als Universalzeichen bei Joseph Beuys

128 Seiten, 38 Abbildungen, kartoniert

 

 

Das Zeichen des Kreuzes hat die Menschheit seit ältesten Zeiten begleitet und ihren Entwicklungsweg durch die Kulturepochen mitgemacht. So hat sich die Auffassung dieses Ursymbols im Lauf der Geistesgeschichte gewandelt, wurden mit ihm die jeweils grundlegenden und geheiligten Auffassungen einer jeden Epoche verknüpft. So kann es kaum verwundern, daß ein für unsere Epoche so repräsentativer Künstler wie Joseph Beuys dieses Universalzeichen aufgreift und in seinem Werk damit arbeitet.
 

Die moderne Kunst bewegt sich nicht mehr im Rahmen des Harmonischen und ästhetisch Schönen, sondern will bewuf3tseinsweckend wirken und bedient sich dabei häufig der Mittel der Konfrontation und Provokation bzw. wirkt manchmal zwangsläufig provokativ für den Betrachter, »wie ein Zwischenfall in seinem Leben, den er in den ihm bekannten Zusammenhängen nicht unterbringen und einordnen kann« (W. Kotte). Das wird um so stärker der Fall sein müssen bei einem Thema wie dem dieses Buches, da doch die meisten Leser mit dem christlichen Symbol des Kreuzes eher traditionelle Werte und vorgeprägte Empfindungen verbinden, während Beuys sich nicht der ungewöhnlichsten Konfrontationen scheut und profane und christliche Inhalte provokativ verbindet. Zugleich können aber auch die Beiträge dieses Buches die christlich-philosophische Fundierung des Schaffens von Beuys deutlich machen.

 

Das Buch entstand als Führer durch eine Ausstellung in Utrecht, die noch zu Beuys' Lebzeiten von dem Museumsleiter Wouter Kotte geplant wurde. Durch den Tod von Joseph Beuys wurde diese Ausstellung für die Veranstalter zu einem Requiem, und so wurde sie konsequent nach den Teilen der katholischen Messe aufgebaut; dieser Ordnung folgt auch das Buch.

 

»Das Kreuz steht bei Beuys für die Erde, die Materie, die von Christus, dem göttlichen Geist, durchdrungen wurde und wird. Für Beuys bedeutet das Christentum, als die einzige Religion mit einem tatsächlich inkarnierten Gott, die Chance für die Menschheit, sich als Geist der Materie anzunehmen, um sie gemäß der ihm eigenen göttlichen Schöpferkraft an sich und als geistige Substanz in Verantwortung diesem göttlichen Sein gegenüber zu gestalten. Der Kreativitätsbegriff ist bei Beuys damit umfassend gemeint.« (Ursula Mildner)

 

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