
Kirche Unterlengenhardt
am 30. März 2006
Mit dem heutigen Sonntag stehen wir am Beginn der Passionszeit des christlichen Jahreslaufes.
Die vier Wochen bis Ostern hin sind nun von diesem Charakter geprägt. Am Altar
drückt sich dies durch das Schwarz aus.
Jede Farbe, so können wir es erleben, erzeugt eine Gegenfarbe. Blicken wir auf
eine rote Fläche, so wird in uns Grün erzeugt, sehen wir Violett so erzeugt sich
Gelb usw.. Bei Schwarz ist es das reine Weiß das entsteht, aus der Dunkelheit
wird Licht. Was für das äußere Schwarz gilt, wünschen wir uns natürlich auch für
die anderen Arten der Finsternis. Man spricht davon, dass es die dunklen Seiten
des Lebens gibt. Überall da, wo Krieg ist, wo Zwietracht herrscht oder
Orientierungslosigkeit besteht, ist es geistig finster. Daher können oder müssen
wir erleben, dass nicht von allem eine Aufhellung, eine Verwandlung ins
Lichtvolle geschieht.
Doch hier ist der Sinn der Passion zu erkennen. Christus hat die Passion, seine
Leidenszeit, mit einem ganz bestimmten Ziel auf sich genommen. Nämlich in der
Auseinandersetzung mit der Finsternis eine Kraft zu entwickeln, die, wenn der
Mensch sie aufnehmen will, indem er sich mit IHM verbindet, tatsächlich die
geistige Finsternis überwinden kann.
Am Beginn der Passionszeit erfahren wir im Evangelium (Lukas 11,14 ff), wie
Menschen gegen Christus auftreten, die ganz finstere Gedanken haben. Es ist der
ungeheure Vorwurf, dass er mit dem obersten Teufel wirken würde, dass er im
Dienst der bösen Mächte stünde, der ihm gemacht wird. Eine ganz negative
Gesinnung ist mit dieser Menschengruppe verbunden, die dem Christus da
entgegentritt.
Durch die folgenden Passionsereignisse erfahren wir dann, dass das, was im
Menschen lebt, was er an innerer Haltung hat, dort nicht bleibt sondern bis in
die äußere Tat gehen will, so dass, das Böse, das Finstere seinen Weg findet,
wie es sich in der Welt auslebt durch das, was dem Christus dann angetan wird.
Es zeigt uns dies, welche Verantwortung der Mensch hat, denn mit dem, was in ihm
lebt schafft der Mensch die Grundlagen für Realitäten, die sich dann in der Welt
ausleben können. So, wie sich dies im Negativen zeigt, gilt dies natürlich auch
für das Positive. Wenn es uns gelingt Gutes, Lichtvolles in uns lebendig zu
machen, so hat es auch seine Bedeutung.
Dass wir uns immer wieder in einem Kirchenraum versammeln, ist uns deshalb so
wichtig, weil wir Anregung erfahren für den lichtvollen Gehalt unserer
Gesinnung, dass das Positive in uns wachsen kann, damit wir dadurch eine
Wirksamkeit in die Welt bringen können, ein Wirken mit den guten Mächten, was so
dringend benötigt wird.
Forum von und für Blinde und Sehbehinderte
Dort auch andere kleinere Texte aus dem Jahre 2006 - z.B. von dem Christengemeinschaftspfarrer Stefan Neß