Roswitha Bril-Jäger
Geschenk der sieben Planeten
Die Sonne (Sonntag)
Aufrecht sei in dir begründet
königliche Herzenskraft,
die im Innern wiederfindet
was im Weitenraume schafft.
Trifft dich deines Genius Tadel,
wandle ihn zu lautrem Gold,
nur in streng bewahrtem Adel
führst du aus, was er gewollt.
Nimm des Sonnenfeuers Fülle
demutvoll bis in dein Blut,
und der Erde Sinn enthülle
sich gereiftem Geistesmut.
Der Mond (Montag)
Wie in Träumen ruht mein Schweigen
über deinem Menschensein,
blasser Spiegel ist mein eigen,
denn mein Licht
ist fremder Schein.
Selbstlos lerne zu gestalten
meine Wirkung und Magie
in des Blutes Triebgewalten
und im Reich der
Phantasie.
Meiner Spiegelkraft Verlangen
läutre du im Geistgeschick -:
Was du von der Welt empfangen
gib vollendeter zurück!
Der Mars (Dienstag)
Schicksal hält dich noch umfangen,
das nicht überwunden ist,
neue Stufen zu erlangen
nutze die
Bewährungsfrist!
Kampf und Fährnis sollst du wagen
für dein hohes Ideal,
und das Brennen deiner Fragen
führe dich zum
Waffensaal -
öffne dir den Eisenriegel:
rüste dich zum Drachenstreit!
Stemme dich in deine Bügel!
Himmelshelfer sind bereit!
Der Merkur (Mittwoch)
Um zu helfen und zu heilen
bin ich überall erschienen,
keine Stufe schenkt Verweilen,
alles muß dem
Wachstum dienen.
Lerne wachsam zu verbinden
wo sich Elemente scheiden,
die aus undurchschauten Gründen
sinnlos
aneinander leiden.
Hast du alte Seelenwunden
mit der Zukunftskraft gemeistert,
bist du selber dir gefunden
und zu neuer Tat begeistert.
Der Jupiter (Donnerstag)
Güte und beherrschte Milde
in geheimem Weisheitswatten
werden dich zum Ebenbilde
deiner Gottheit
durchgestalten.
Lerne königlich besonnen
deinen Tatendrang zu lenken,
und was du im Kampf gewonnen,
ordnend,
selbstlos zu verschenken.
So erringe und bewahre
dir die schlichte Herzensstille,
Menschenwürde offenbare
sich darin als Gottes Wille.
Die Venus (Freitag)
Wenn die Augen schauen lernen
sieh ein ernstverschleiert Bild,
tiefe Weltenschönheitsfernen
sind noch sehnsuchtsvoll verhüllt.
Und ich löse dir die Schleier,
neigst du dich dem herben Wein
in des Opfers stummer Feier
strahlt der Kelch im Flammenschein.
Immer - wie die klare Quelle
bittres Felsgestein durchbricht -
quillt aus schmerzensreiner Helle
göttlich schönes Liebeslicht.
Der Saturn (Samstag)
Hier verlassen dich die andern,
an der Schwelle - halte ein.
Diese Pforte zu durchwandern
mußt du
vorbereitet sein.
Höchste Weisheit - strengstes Schweigen,
fürchte, Pilger, mein Gebot!
Nimm das Priesterkleid zu eigen,
werde sehend
durch den Tod -.
Eingeweiht in Weltenfragen
wirst du Göttern selbst zum Heil,
letzter Not aus Erdentagen
wird die Antwort hier zuteil.
Alle Bücher unseres Mitgliedes Frau Bril-Jäger sind erschienen im J. Ch. Mellinger Verlag, Stuttgart
siehe dazu auch die
'Baumsprüche' von Johannes Hemleben