
Bewegung für religiöse Erneuerung
Michaelkirche in Bremen
Die Christengemeinschaft will ein lebendiger Ort für gemeinschaftliches christlich-religiöses Leben sein, eine moderne Kirche. Sie hält sich nicht für allein selig machend und möchte sich allen öffnen, die in Freiheit als Christen ihr eigenes religiöses Leben mit anderen Menschen vereinen und vertiefen wollen.
Die Christengemeinschaft feiert sieben Sakramente. Im Mittelpunkt steht der neue Gottesdienst, die "Menschenweihehandlung". Darin kann sich die Tat der Todüberwindung Christi in Brot und Wein heute neu vergegenwärtigen. Die sieben Sakramente sind:
Außerdem gibt es die Bestattung, und ab dem Schulbeginn die Sonntagshandlung für die Kinder.
Die Christengemeinschaft vollzieht diese Handlungen als geistig reale Taten, in denen Christus heute wirken kann. Sie sind so veranlagt, dass sie nicht nur passiv von der Gemeinschaft empfangen werden. Sondern jeder Einzelne kann sie bewusst mitvollziehen und dadurch auch den Alltag anders leben.
Von Anfang an ist die Frau gleichberechtigt als Priesterin am Altar und in allen Bereichen und Verantwortungen tätig. Priester der Christengemeinschaft dürfen heiraten.
Alle Gottesdienste werden in kultischer Form gehalten: es werden Gewänder getragen, Worte und Abläufe sind klar geordnet vorgegeben. Das hat einen einfachen Grund:
Will ein Mensch als geistiges Wesen auf der Erde leben, so braucht er einen materiellen Leib, der nach bestimmten Gesetzmäigkeiten geordnet und geformt sein muss. Die religiösen Feiern der Christengemeinschaft haben den Sinn, dem geistigen Wesen Christus eine Möglichkeit zu schaffen, auf Erden gegenwärtig zu sein. Auch hier braucht es geeignete Formen, damit er die Materie durchdringen und unter uns leben kann.
Neben der klaren kultischen Form mit gegebenen Worten gilt in der Lehre vollständige Glaubens- und Lehrfreiheit. Für den Priester ist sie nur insoweit beschränkt, als er nicht dem Wortlaut der Rituale - also seinem eigenen Handeln - widersprechen darf.
Jeder Mensch in der Gemeinde darf sich durch eigene Erkenntnis und eigene Erfahrung seinen Glauben selbst erarbeiten. Das Ablegen des Glaubensbekenntnis (das im Gottesdienst nur vom Priester gesprochen wird), wird selbst bei der Mitgliedsaufnahme nicht gefordert. Eine spezifische Sonderlehre gibt es nicht. Es ist aber möglich und erwünscht, eigene Gedanken zu äußern, auch wenn sie nicht einer traditionellen theologischen Lehrmeinung entsprechen.
Auch Fragen, die das konkrete Gemeindeleben betreffen, beispielsweise ob eine Taufe, eine Trauung oder eine Bestattung gehalten wird, werden jeweils individuell besprochen und entschieden.
Einen besonderen Stellenwert hat das Evangelium. Neben dem Kultus ist es die zentrale Quelle für das Leben der Christengemeinschaft. Dabei ist es ein Anliegen, den Inhalt nicht nur analytisch-philologisch zu verstehen, sondern zu dieser "Engels-Botschaft" (griechisch: "Eu-Angelion") eine lebendige Beziehung aufzubauen.
Auch ganz persönliche Fragen können mit einem Pfarrer der Christengemeinschaft besprochen werden. Jede denkbare menschliche Angelegenheit hat eine geistige Dimension. Gerade wenn man mit äußeren Methoden in einer Frage nicht weiter kommt, kann es sinnvoll sein, dieser geistigen Dimension nachzugehen.
Auf diese Weise kann man zum eigenen Schicksal ein eigenständiges, kreatives Verhältnis entwickeln und dadurch im Leben handlungsfähiger werden. Dieser Vorgang wird noch verstärkt durch das Sakrament der Sinneswandlung.
Die soziale Tätigkeit hat sich in verschiedensten Einrichtungen wie Kindergärten, Tagungsstätten und Altenheimen entfaltet, sowie durch eine Vielzahl kultureller Angebote, Kinder- und Jugendfreizeiten und weltweit in enger Zusammenarbeit mit Behinderteneinrichtungen.
Die Teilnahme am Leben der Christengemeinschaft steht jedem offen, unabhängig von einer Mitgliedschaft. Wer auf eigenen Wunsch durch einen Priester als Mitglied aufgenommen wird, bekennt sich aktiv zu diesem Leben. Mitgliedschaft ist also kein formaler Akt. Sie entsteht durch das Mitvollziehen der Sakramente und das bewusste Bekenntnis dazu.
Die Teilnahme am Leben der Christengemeinschaft steht jedem offen, unabhängig von einer Mitgliedschaft. Wer auf eigenen Wunsch durch einen Priester als Mitglied aufgenommen wird, bekennt sich aktiv zu diesem Leben. Mitgliedschaft ist also kein formaler Akt. Sie entsteht durch das Mitvollziehen der Sakramente und das bewusste Bekenntnis dazu.
Durch die Taufe wird ein Kind nicht Mitglied. Es wird von der Gemeinde aufgenommen und kann sich als Erwachsener entscheiden, ob es selbst Mitglied werden möchte.
Die göttlichen Wesen, wie sie in der Bibel genannt werden (Engel, Erzengel u.s.w.), stehen in einer "heiligen Ordnung", einer "Hierarchie" zueinander. Dadurch können sie geistig zusammenwirken. Eine Gemeinschaft, die aus den Kräften dieser göttlichen Welt arbeiten will, braucht auch eine solche Ordnung, damit sie Sakramente, also geistige Ereignisse, vollziehen kann.
Innerhalb dieser Ordnung trägt jeder Priester Bewusstsein und Verantwortung für seine Gemeinde vor Ort, einige jeweils für eine ganze Region (die "Lenker"), wenige für die gesamte Christengemeinschaft (drei "Oberlenker", von denen einer das Amt des "Erzoberlenkers" innehat). Mit der Übernahme solcher Ämter wächst die Verantwortung, nicht aber das Ansehen, die Macht oder der wirtschaftliche Status eines Priesters. Außer der Priesterweihe gibt es keine zusätzliche Weihe. Alle Priester sprechen den Lenkern und Oberlenkern die Aufgabe zu, sie an einen Arbeitsort zu entsenden. Dadurch wird vor den Menschen und der göttlichen Welt gewährleistet, dass in allen Gemeinden die Sakramente kontinuierlich gefeiert werden können.
Nach dem ersten Weltkrieg suchte eine Gruppe vorwiegend junger Studenten und Theologen nach neuen Formen des christlichen Lebens. Sie entdeckten in der Anthroposophie Rudolf Steiners einen Weg, das Christentum neu zu verstehen und dem religiösen Leben neuen Inhalt zu geben. Mit seiner Hilfe gründeten die 45 Persönlichkeiten 1922 selbstständig die Christengemeinschaft.
Sie wurde 1941 unter den Nationalsozialisten in Deutschland verboten, lebte aber im Verborgenen weiter, bis sie nach 1945 in der Öffentlichkeit neu beginnen konnte.
Sie ist seither gewachsen und hat sich überall dorthin ausgebreitet, wohin sie gerufen wurde. Die Christengemeinschaft betreibt keine Missionierung. Heute gibt es Gemeinden in den meisten Ländern Europas, in Nord- und Südamerika, im südlichen Afrika, Australien und Japan.
Ab 1933 hat die Christengemeinschaft ihre eigene Priesterausbildung aufgebaut. Diese umfasst ein breites Spektrum an theologischen, künstlerischen, naturwissenschaftlichen, philosophischen, menschenkundlichen und geisteswissenschaftlichen Kursen. Heute kann man weltweit an drei Seminaren studieren: in Chicago (USA), Hamburg und Stuttgart.
Die Christengemeinschaft trägt sich ausschließlich durch freiwillige Beiträge und Spenden ihrer Mitglieder und Freunde. Sie verzichtet bewusst auf ihr Recht in Deutschland, Kirchensteuern über den Staat zu erheben. Es gibt Mitglieder, die finanziell nur weniges beitragen können, während andere durch größere Spenden helfen, das Ganze zu ermöglichen. Der Beitrag richtet sich nach eigenem Ermessen und Einsicht in die Notwendigkeiten.