
Bewegung für religiöse Erneuerung
Michaelkirche in Bremen
1922, 1923, 1924, 1925, 1927, 1928, 1929, 1930, 1931, 1935, 1936, 1937, 1939, 1940, 1941, 1945, 1948, 1949, 1950, 1951, 1952, 1953, 1954, 1955, 1956, 1961, 1963, 1964, 1965, 1966, 1969, 1970, 1971, 1972, 1973, 1974, 1976, 1977, 1978, 1979, 1980, 1981, 1982, 1983, 1984, 1985, 1986, 1987.
Sommer 1922
Rudolf Meyer und Werner Klein bereiten die Gemeindegründung vor, indem sie einen ersten Kreis von Menschen zusammenbrachten, die den Ruf vernahmen und sich mit Begeisterung der Sache zur Verfügung stellten.
Oktober 22
Im geschlossenen Kreis der dazu Vorbereiteten wurden die ersten Menschenweihehandlungen in einem Privathaus gehalten. Eine gedruckte Mitgliedskarte aus diser Zeit hatte folgenden Wortlaut:
Mein Wollen zu tätiger Christussuche veranlaßte mich heute in die Reihen der Bremer Christengemeinschaft einzutreten. Des zum zeichen habe ich Brot und Wein im Altarsakrament genossen. Bremen, den 29. Oktober 1922 Lotte Richter, geb. Franzius Bestätigt durch den Prediger: Johs. Werner Klein
Anfang November
Vortragszyklus von Dr. Friedrich Rittelmeyer und Lic. Emil Bock.
12. Nov. 22
Friedrich Rittelmeyer hält in der Martinikirche die erste öffentliche Menschenweihehandlung, die erste nicht nur für Bremen, sondern, wie überliefert wird, überhaupt für die ganze Christengemeinschaft.
Der kleine Kreis der Bremer Urgemeinde feierte diesen Tag als ihren Geburtstag. Ihre ersten Priester waren Johannes Werner Klein und Erwin Lang, genannt: der lange Klein und der kleine Lang. Die ersten aktiven, zu allen Opfern Bereiten waren außer der oben genannten
von der in größerer Schar herzuströmenden Jugend genannt: "das heilige Viergetier". Diese Jugend lebte ganz im Stil des Wandervogels, und so konnte es den "alten" Damen (sie waren schon über 40) geschehen, daß sie am Sonntag morgen, als sie gegen 10 Uhr zur Weihehandlung kamen, an der verschlossenen Tür einen Zettel fanden, auf dem stand: "Wir sind auf Fahrt. Die Weihehandlung hat schon um 8 Uhr stattgefunden."
Diesem ersten Jugendkreis hehörten zwei junge Uhrmacher an, Albert Wurmehl und Hans Feddersen und deren spätere Frauen, Käte Sander und Hedwig Schwan; Maria Großkopff und Ada Ferriere.
Anfang 23
Werner Klein geht nach Hamburg; für ihn kommt Rudolf Köhler. Die Martinikirche kündigte der Gemeinde bald; sie fand als erstes von der Evang. Kirche unabhängiges Unterkommen ein Atilier einer Malerin hoch oben in der Sparkasse am Brill
1924
Rudolf Köhler wird in einer anderen Gemeinde eingesetzt; an seiner Stelle übernimmt Harald Brock die Zusammenarbeit mit Erwin Lang, bis Sommer 1925.
In den ersten Jahren bis etwa 1926 wuchs die Gemeinde vor allem durch die großen Vorträge Friedrich Rittelmeyers, zu denen immer Hunderte von Menschen kamen. Als man ihn einmal fragte, wie es möglich sei, daß er mit so unverminderter Frische und Wortgewalt sprechen könne, antwortete er: "Ich rufe vor dem Sprechen in meinen Organismus hinein, und dann gehorcht er". Außer ihm kamen zu öffentlichen Vorträgen hauptsächlich: Emil Bock, Rudolf Frieling, Heinrich Ogilvie und Joachim Sydow.
Sept. 1925
An Stelle von Harald Brock kommt Dr. Gerhard Hardorp nach Bremen Einen Monat später muß die Gemeinde den luftigen Raum im Dachgeschoß verlassen und in ein Kellerzimmer der Parkallee 27/29 ziehen. Das Eigentum der Gemeinde wurde auf einen Handwagen gepackt, den die beiden Pfarrer durch die Straßen der Stadt zogen.
Sommer 1927
Umzug in diie Martinistraße 12; Untermieter der Antrop. Gesellschaft; zwei ineinandergehende Zimmer. In dieser Zeit besuchen uns außer Rittelmeyer und Bock: Rudolf Frieling, Gertrud Spörri, Carl Stegmann, Werner Klein, Anna Garms, Thomas Kändler, Joachim Sydow und Wilhelm Kelber. Zu Weihnachten dieses Jahres konnten die Weihnachtsspiele in der Strafanstalt Oslebshausen aufgeführt werden.
17./18. Sept. 1927
wird Ida Stümcke durch Werner Klein als erste Mitarbeiterin in die Gemeinde eingeführt. Erwin Lang geht nach St. Gallen.
1928
In zwei großen öffentlichen Vorträgen spricht Emil Bock zum ersten Mal über seine Forschung zu einem neuen Verständnis der Evangelien.
Herbst 1928
Umzug in die Langenstraße 133, in einen kleinen, aber eigenen Raum. Von da an konnte auch Mittwochs und Sonnabends regelmäßig zelebriert werden. Auch die Sontagsfeier für die Kinder wird von nun an regelmäßig gehalten.
Die erste Konfirmation vollzog Werner Klein am 2. Mai 1926. Die zweite folgte erst 1930. Erst von 1934 an gab es jedes Jahr eine Konfirmation.
Hier in der Langenstraße bekam die Gemeinde zum ersten Mal ein Harmonium. Das ermöglichte die ersten besccheidenen Versuche einer Musik zur Weihehandlung.
1929
übernimmt Dr. Johannes Hemleben (bis dahi Gemeindepfarrer in Kassel) die Arbeit in Hamburg. Von da an ist er unser ständiger Rednergast
1930
Große Vorträge von Dr. Rittelmeyer im Gewerbehaus. Das bedeutendste Ereignis dieses Jahres war der Umzug in den großen schönen Raum Am Wall 158, über Harms Wäschegescchäft im 3. Stock mit herrlichem Blick auf die Wallanlagen. Wir taten damals den Schritt aus dem Katakombendasein in die breite Öffentlichkeit. Lic. Bock feierte mit uns die Eiweihung.
1931
Erste große Freizeit Rittelmeyer/Frieling in Unkeroda. An ihr und den folgenden sechs Freizeiten nehmen sehr viele Bremer Gemeinden teil.
Und im Herbst dieses Jahres wagten wir die erste öffentliche Tagung. Zum ersten Mal erschien unsere Gemeinde auf großen Plakaten:
Herbsttagung der Christengemeinschaft in Bremen
vom 8. - 11. Oktober 1931
unter Mitwirkung von Lic. Dr. Friedrich Rittelmeyer,
Lic. Emil Bock, Dr. Rudolf Frieling
und Dr. Johannes Hemleben.
Die großen Abendvorträge waren im Gewerbehaus.
Der größere Raum machte es möglich, daß sich ein Spielerkreis bildete , der vieles leistete. Auch die Fastnachtspiele begannen damals. Da trat zum Entsetzen der anthroposophischen Gäste ein "Inkarnationsphotograph" auf und warf die Bilder einer makabren Inkarnationsreihe an die Wand:
Fenriswolf und Midgardschlange,
Alexander und Bukephalus
Werther und seine Leiden
Plisch und Plum
Hardorp und Stümke.
Jeder Sommer gabs ein Gartenfest in Spittas großem Garten, der alle Lebensalter, vom Säugling bis zum Ältesten, fröhlicch vereinte. Da gabs den "Schneider im Himmel" oder "Fips der Affe" oder einmal sogar Emil Bocks Spiel von Johannes dem Täufer.
Sommer 1935
übernahm Dr. Hardorp die Arbeit in Bielefeld. An seine Stelle trat Friedrich Gädeke. Seine Arbeit galt vor allem der Entstehung eines Jugendkreises, der seine erste Blüte in den letzten Jahren vor dem Krieg erlebte. Unvergessen für alle Beteiligten die Pfingstjugendtagung im Weserbergland zusammen mit den Gruppen aus Hannover mit Sydow und Heinrich Mierau, Kassel mit Alfred Schreiber, auch aus Bielefeld, Herford und Dortmund kamen sie hinzu.
Die Altarnische unseres Raumes erhielt durch unser Mitglied, den Tischler Karl Sewitz, nach Entwürfen von Ida Stümke eine künstlerische Ausgestaltung in goetheanischen Formen. In diesem großzügigen und repräsentativen Raum konnte sich nun auch die Musik großartig entfalten. Unter Susanne Hesses Leitung entstand ein Chor und ein kleines Orchester. Sie konnte die große öffentliche Sommertagung der Gesamtbewegung im Jahre 1938 in Hannover die gesamte Musik, sowohl zur Weihehandlung, wie auch zu den Abendandachten und zu einem Nachmittagskonzert, mit den "Bremer Stadtmusikanten" bestreiten.
November 1936
kam Friedrich Doldinger zum ersten Mal für einige Tage um den Bußtag herum in die Bremer Gemeinde. Seine Vorträge, Malkurse, musikalischen Übungen, dichterischen Lesungen und Aufführungen, die sich nun durch Jahrzehnte hindurch in jedem November wiederholten, schufen ein wichtiges Element in der Substanzbildung der Gemeinde.
1. September 1936
Erwerb des Hauses Am Dobben 111 ohne eigenes Kapital durch die hochherzige Verwendung einer Erbschaft, die Frl. Auguste Stoevesandt, eines unserer ersten Mitglieder, gemacht hatte.
Oktober 1936
Besuch Dr. Rittelmeyers. Gädeke holt ihn am Bahnhof ab, und als sie in der Taxe sitzen, sagt er freudestrahlend: "Herr Doktor, wir haben das Haus nun gekauft". - Darauf Rittelmeyer: "Der erste Schritt zur Dekadenz". Gädeke entsetzt: "Herr Doktor, muß das sein?" Er begütigend: "Nein, es muß nicht sein."
9. - 11. April 1937
Fest der Einweihung des neu hergerichteten Hauses. Freitag abend Vortrag Rittelmeyer. 260 Menschen dichtgedrängt im Saal und auf dem Flur.
Sonnabend, 16.30 Uhr Book mit den Konfirmanden zusammen.
17.00 Uhr Rittelmeyer spricht zur Gemeinde im Beisein der
Konfirmanden.
18.00 Uhr Einweihung der Orgel durch ein Konzert von Wilhelm Evers.
20.15 Uhr Vortrag Bock: "Der Raum des Sakraments im Urchristentum".
Sonntag, 11. April 1937: Raumweihe durch Rittelmeyer, Konfirmation durch Bock, erste Menschenweihehandlung durch Friedrich Rittelmeyer. Ludwig Köhler predigt; Hardorp und Gädeke ministrieren.
Festlicher Gemeindenachmittag; es sprechen Grußworte: Hermann Hellmers, Auguste Stoevesandt, Hemleben, Hardorp, Kändler, Sydow, v. d. Decken, Köhler. Abends Kundgebung: L. Köhler, Bock, Rittelmeyer ("Der Auftrag der Christengemeinschaft").
Frühjahr 1939
Die Synode der norddeutschen Mitarbeiter ist zum ersten Mal in Bremen
1939 Ende Juli, Anfang August
Die große Freizeit auf Rügen (Lauterbad) mit Doldinger, Ludwig Köhler, Hemleben, Thiersch, Stümcke und Gädeke. Trotz Verbotes der Gestapo nahmen auch Jugendliche daran teil. Durch die ständige Spannung und Gefahr dieser Tage waren alle Herzen besonders geistoffen; jahreleng zehrten unsere jungen Soldaten, auch in den schlimmsten Schrecknissen des russischen Winters von diesem Erlebnis; "Rügen" war für Viele durch die Jahre des Krieges und des Verbotes ein Quell des Trostes und der Zuversicht.
18. August
Gädeke wird zu einer "Übung von etwa 4 Wochen" eingezogen: erst kurz vor Weihnachten wird er wieder entlassen. Ida Stümcke fand die ersten zwei Wochen nach Kriegsausbruch Unterstützung durch Frieling, der mit seiner Frau von der Nordsee heimkehrend hier festgehalten wurde. Mit ihm zusammen erlebten die "Dobben" die ersten bangen Fliegeralarme im dumpfen Keller. Beklommen schweigend saß alles in sich zusammengesunken, bis plötzlich Frielings Stimme die angstvoll bedrückte Stille durchbrach: "Wäre es nicht möglich, hier eine Anlage für das Stoffwechselsystem zu schaffen?" - Allgemeine Entängstigung und Erheiterung.
1940
Im Februar und im September Besuch von Eduard Lenz
1941, Karwoche
Martin Borchart hält jeden Abend eine Andacht und führt hinüber zu Ostern und zur Konfirmation - der letzten vor dem Verbot.
1941,
9. Juni
Verhaftung von Stümcke in Bremen, von Gädeke in Nürnberg, wo die Synoge beginnen sollte. Entlassung am 26. Juni. Es war beiden Pfarrern möglich, in der Stadt, d. h. bei der Gemeinde zu bleiben und in eine "kriegswichtige" Stellung zu kommen, aus der man nicht so leicht in einen anderen Ort weggeschickt werden konnte, wie es sonst viel geschah. So bllllleib der Kontakt zu allen Gemeindegliedern durch die Pfarrer aufrechterhalten. Bei Bestattungen fungierte Herr Westhoff mit Ansprache und Gebet, Gädeke spielte Cello (im Krematorium).
1945
Pfingsten. Erste Weihehandlung in Stümckes enger Wohnung.
10. Juni 1945
Erste Weihehandlung im wiederbezogenen und hergerichteten Haus am Dobben.
Sofort entsteht ein sehr reges Gemeindeleben mit vielen Wochenendtagungen, zu denen die Flüchtlinge der weiten Umgebung herbeigeströmt kommen. Alle Ernährungs- und Unterbringungsschwierigkeiten werden durch die Freude und Begeisterung gelöst.
Im August 1945
veranstalteten wir in Leuchtenburg (Haus Bosse) die erste Jugendtagung, zu der auch die Hannoveraner kommen. Die Begeisterung war so groß, dass die Hannoveraner sofort eine Gegeneinladung zum Herbst machten. dort kamen wir bei dem schon gelähmten Jochen Sydow in Everloh zusammen. Dort tauchten der frischgebackene Dr. Baldszum auf (mit Vollbart), Barbara Nordmeyer, Gerti Morgenstern u. a.
Durch den inneren Aufbruch der Nachkriegsjahre, aber auch durch die zunehmende körperliche Behinderung Ida Stümckes ergab sich die Notwendigkeit eines dritten Mitarbeiters. Im Religionsunterricht halfen eine Zeitlang Friedrich Ogilvie (vor seiner Weihe) und aus unserer Gemeinde Elsa Pufpaff.
1948
Im April kommt Otto Beer für einige Monate zur Hilfe, dann kam im Februar 1949 Hans Thiersch.
1949
11. bis 22. Juli
Von den Bremer Mitarbeitern veranstaltete Freizeit auf Burg Sternberg (Peter Harlan) unter Mitwirkung von Kurras, Klein, Schreiber, Rückner, v.d.Decken, Doldinger und Friedel Lenz (der Märchentante), sowie dem Bremer Jugendkreis (2. Aufführung). Über 200 Teilnehmer.
1950
17. bis 31. Juli ebenso große und reichhaltige und noch stärkerbesuchte Freizeit im Schloß Wahrenholz bei Rinteln. Mitwirkende: Benesch, v.d.Decken, Doldinger, Hemleben, Friedel Lenz, Basinger (Streichquartett), Thiersch (Malkurs), Schreiber (Jugend).
1950
Michaelisfest mit Hemleben, Rückner und Kändler.
Zur Jahreswende 1950/51 geht Heinz Thiersch fort (nach Kiel). Für ihn hilft einige Monate Britt Heglund aus (in der ersten Hälfte des Jahres 1952)
1951
Am 29. 11. war Wilhelm Hoerner aus schwerster Gefangenschaft mit Folter und Verurteilung zu 17 Jahren Zwangsarbeit aus Jugoslawien nach Franken heimgekehrt, erschien zu Sylvester in Stuttgart, wurde von Dr. Benesch an Pfingsten 1952 auf einer Jugendtagung in Halendorf (Schleswig-Holstein) in die priesterliche Tätigkeit neu eingestiftet. Auf Anraten von Emil Bock hält er sich noch eine Weile zurück, bezieht Arbeitslosenunterstützung und wird dann nach Bremen entsandt und am 18. Oktober 1953 durch den Lenker, Dr. Johannes Hemleben, in die Gemeinde eingeführt. Ida Stümcke regt ihn an zum Programmzeichnen.
1952
In dieser Zeit mußte die Gemeinde monatelang um ihr Haus bangen. Die frühere Besitzerin des hauses, eine Freimaurerloge, forderte die Zurückgabe im Zuge der gesetzlich geregelten "Wiedergutmachung". Im März 1952 zogen sie ihren Anspruch zurück, ohne daß es zu einem Prozeß gekommen wäre; darauf wurden sofort größere und seit langem fällige Reparatur- und verschönerungsarbeiten am Hause vorgenommen.
Ostern 1953
kommt Wilhelm Hoerner, der - Herbst 51 aus der Gefangenschaft entlassen - schon 1952 einmal einige Zeit "zu Besuch" in Bremen gewesen war, als Mitarbeiter nach Bremen.
1954
Ida Stümcke, die schon 1951 einmal längere Zeit hatte aussetzen müssen, erkrankt ernstlich und kann nur noch gelegentlich zelebrieren.
1955
im Mai verläßt Ida Stümcke endgültig Bremen und zieht an den Bodensee, zusammen mit ihrer Haus- und Lebensgenossin, unserer Eurythmistin Irma Haag. Diesen Verlust begegnete die Gemeinde mit einer verstärkten Aktivität für die Neugestaltung des Weiheraumes. Unser Meister Fritz Vogel gelang nach vielen Versuchen auch anderer Freunde ein Modell zu schaffen, das allgemein überzeugte. So konnte im Sommer 1956 der Umbau in Angriff genommen werden
Oktober 1956
Einzug in den neugestalteten Weiheraum.
Diesem Umbau folgen Jahre der mühevollen inneren Umgestaltung.
Viele der alten tragenden Mitglieder, die noch stark in den
persönlichen Bindungen der Begründerzeit lebten, zogen fort
oder starben. Ganz neue, andersgestimmte Menschen kamen heran.
Herbst 1961
sterben kurz hintereinander Paula Spitta, die letzte "Ursäule" der Begründung, und Elfriede Finkler, die sich in unermüdlicher Aktivität für die Musik zum Kultus eingesetzt hatte. Das Orchester war schon lange verklungen, nun verstummte auch der Chor.
Ostern 1963
konnten wir unsere neue Orgel einweihen, mitten in einer Zeit des musikalischen Tiefpunktes. Susanne Hesse hatte sich aus persönlichen Gründen schon seit vielen Jahren ganz zurückgezogen. Im sommer 1964 starb auch Eleonore Gädeke, die immer einsatzbereite
1964
kommen (am 15. Februar) Cordelia Böttcher und im August Matthäus Reisch dazu und bilden ein neues Kollegium zusammen mit dem Senior Friedrich Gädeke. Mancherlei neue Impulse fließen in das Leben der Gemeinde ein. Cordelia Böttcher baut Jugendkreis und Theaterspielerkreis auf und führt sie zu intensivstem Arbeiten und gemeinsamen Leben. Sie weitet den Religionsunterricht aus. Matthäus Reisch ermutigt die Musiker aufs Neue, bringt unentwegt neue Komositionen mit, die er den damals tätigen Musikern "auf den Leib" schrieb (z.B. für Maria und Adelheid Gädeke, für die gerade fertiggestellte Orgel und die daran tätige Susanne Hesse u.a.).
29. 9. 1964
wird allerdings Wilhelm Hoerner zu einer neuen Tätigkeit im Süden aus der Bremer Gemeinde verabschiedet.
27. 3. 1964
brennt der "Methorst", damals noch eine alte Häusler-Kate auf einer Waldlichtung in der Nähe von Rendsburg ab. An seiner Stelle entsteht danach der neue "Methorst" und wächst zu seiner heutigen Gestalt heran als einer "Schulungsstätte für christliche Erneuerung".
Ostern 1965
wird in Goslar das Kloster Frankenberg erworben und zum Altenheim umgestaltet, in das eine Reihe von Bremern - Gründer und "Dobben" - einzieht.
3. 10. 1966
wird der 70. Geburtstag von Friedrich Gädeke gefeiert; er ist nun über 30 Jahre in Bremen tätig.
Ab 1969
werden Pläne auch zur Neugestaltung der Fassade des alten Dobbenhauses und der Innenräume bewegt, und ab
Ostern 1970
sind wir der schon begonnenen Umbauten wegen, in denen schließlich Tausende von Arbeitsstunden von Gemeindegliedern als "Eigenleistung" erbracht worden sind, zu Gast in den Räumen der Anthroposophischen Gesellschaft in der Bohnenstraße.
Ab Advent 1970
beziehen wir wieder die umgestalteten Räume am Dobben; die Veränderung der Fassade war fallengelassen worden. Ein "Initiativkreis" und regelmäßige Andachten am Sonnabend um 18 Uhr waren Neuerungen dieses neuen Aufbruchs; immer wieder kam Dr. Hemleben zu Vorträgen in die Kunsthalle; der Martinsbazar - zum ersten Mal am 9. 11. 1969 - bekam seinen festen Platz.
Im Okt. 1971
stellte einer der "Worpsweder vom Barkenhoff, Walther Hundt, der mit seiner Frau Marie längst Mitglied der Gemeinde geworden war, in unserem Hause aus.
Am 30. 4. 1971
mußte zum ersten Mal über die ernsthafte Erkrankung von Matthäus Reisch gesprochen werden.
Im Okt. 1971
Aufruf zu Gold- und Geldspenden für einen goldenen Kelch,den dann Fritz Vogel in seiner Werkstatt im Souterrain als einen der über hundert aus seiner Hand ausführte.
Am 19. 2. 1972
traf Familie Klose - aus Wien kommend - in Bremen ein, und später verließ Matthäus Reisch Bremen, um nach Arlesheim zu fahren, won wo er erst im September zurückkehrte.
Am 18. 10. 1972
starb er in der liebevollen Obhut der Familie Holste in deren Haus Am Dobben 94.
Am 10. 1. 1973
starb der Pfarrer Hans Feddersen, ein Alt-Bremer, ("Vincent van Gogh", Leonardo da Vincis Abendmahl") in München
15.6. 1973
Lars Rydelius, ein gebürtiger Schwede, stellt sich auf einem Gemeindeabend als neuer Pfarrer vor. Eine kurze Zeit besteht das Kollegium nun aus Vieren.
21. 7. 1973
Zum ersten Mal ein "Nachmittag für ältere Menschen", der dann gelegentlich wiederholt wurde und später unter der Hand von Klaus-Dietrich Hoffmann zu einer gepflegten, regelmäßigen und sehr geschätzten Einrichtung wurde. -- Ende des Jahres eine Bilderausstellung von Hermann Zeidler.
Sept. 1974
spricht Chrisoph Peter über "Die Zeit und das Zeitlose in der Musik" im Rahmen eines ermaligen Musikertreffnns, am 27. 10. konzertiert hier der gerade 20 Jahre alt gewordene Chor der Hannoverander Gemeinde unter der Leitung von Veronika Peter.
Vorträge von Cordelia Böttcher über die Tempelritter helfen (im August) mit, eine Israel-Reise Jugendlicher vorzubereiten.
Im Januar Gespräche der Gemeinde mit Johannes Rath (Frankfurt) über ein neues Altarbild.
25. 11. 1974
Beschluss, das vormalige Pfarrhaus Kreftingstraße zu verkaufen; am 20. 1. 1975 ist es für 100.000,- DM verkauft.
1976
wieder ein Pfarrerwechsel: Am 3. 9. verabschiedet sich Lars Rydelius, der nach Oslo geht; aus Berlin kommend stellt sich Carsten Schlooss vor.
Sommer 1977
veranstaltet die Gemeinde ein Kinderferienlager im Forsthaus Lüsche.
Am 19. 9. 1977 hält Johannes Hemleben seinen letzten Vortrag in der Kunsthalle. Am 20. 9. verabschiedet er sich als Lenker in der Bremer Gemeinde. Sein Nachfolger ist seitdem Dr. Erhard Kröner mit Sitz in Hannover.
1978
beginnt die Arbeit an den Statuten einer künftigen Körperschaft des öffentlichen Rechts, am 23. 2. 1979 löst die Mitgliederversammlung des "Vereins Die Christengemeinschaft in Bremen e.V." denselben auf und billigt den Antrag auf Erteilung der Körperschaftsrechte.
Am 10. 9. 1979
stirbt Friedrich Gädeke im Johanneshaus Öschelbrunn, seinem Alterssitz.
Am 1. 5. 1980
wird Klaus-Dietrich Hoffmann, aus Hannover kommend, als Pfarrer von Dr. Kröner in die Gemeinde eingeführt, am 18. Mi Cordelia Böttcher verabschiedet, die in höchster Eile ihr neues Tätigkeitsfeld in Frankfurt/Main betreten muß (schwere Erkrankung von Herrn Bockemühl).
Einde Reihe von Konzerten, die den Einzug eines neuen Instrumentes - der neuen (3.) Orgel - in die Gemeinde vorbereiten und begleiten sollten. Solistin war mehrmals Deirdre Boysen (Oldenburg), z. B. "Marienleben" von Hindemith.
28. - 31. 5. 1981
war die "wandernde" Himmelfahrtstagung der norddeutschen Gemeinden zum ersten Mal in Bremen. Die öffentlichen Abendvorträge fanden im Festsaal der Freien Waldorfschule statt, alle übrigen Veranstaltungen im Hause Am Dobben.
19. 12. 1982
Einführung der neuen Orgel der Firma Führer, Wilhelmshaven, im Rahmen eines festlichen Gemeindeabends (Bach-Kantate "Wachet auf, ruft uns die Stimme").
1. 10. 1982
Eröffnung der "Morgenstern-Buchhandlung GmbH." Am Dobben 94; der bis dahin von Maximilian und Hildegard Bollinger treulich in Gestalt eines Büchertisches gepflegte Buchhändler-Impuls erfährt eine große Ausweitung; der Büchertisch kann langsam übergehen. - An der Orgel konzertieren Jan Goens, Oberneuland, Harald Vogel, Bunderbee, Stephen Stubbs.
1983
Orgelkonzert durch den Domorganisten Wolfgang Baaumgratz.
am 19. 3. 1984
ein Chorkonzert mit der Matthäus-Passion von Heinrich Schütz. Gerhart Johannes Palmer aus Leipzig ist mehrmals in der Gemeinde. -- Viel Musik.
26. 5. 1985
Altarbild in der Kapelle geweiht.
11. 10. 1985
Verabschiedung von Carsten Schlooss, der eine neue Aufgabe in Hamburg-Volksdorf übernimmt, Verabschiedung und Dank an Ina Dost, langjährige Gemeindehelferin, durch Dr. Kröner. Begrüßung Armgard Hasselmann als Religionslehrerin (In der Ottersberger Schule). -- Die sich ausweitende Arbeit wird von den beiden verbleibenden Pfarrern (genannt "die Gußeisernen") allein bis zum Oktober 1987, unterstützt von den Religionslehrerinnen Hasselmann und - ihr folgend - Margrit Weber weitergeführt.
Nov. 1985
16 Jahre nach Abschluß der großen Umbauten im Dobbenhaus fällt der Blick auf Grundstücke in dem Sanierungsgebiet "Vasmer Quartier".
2. 12. 1985
Walter Emmrich bringt Ergebnis der 1. Anfrage beim Stadtplanungsamt.
18. 12. 1985
Außerordentliche Sitzung des Gemeinderates. Am selben Tag erstes Planungsgespräch mit Geo W. Hirschfeld, Werner Krohn, Klaus-Dietrich Hoffmann, H. Klose, um zu einer Fortschreibung der Gemeinde-Geschichte zu kommen (die knapp 2 Jahre später vorliegt).
Jan. 1986
Mitteilung an die Gemeinde
Ostern 1986
Vorträge "Die Neue Kirche - ihre Wurzeln - ihre Entfaltung"
Johanni 1986
Weihe des neuen Altarbildes (von Jürgen Lambertz) im großen Kapellenraum.
Am 10. 10. 86
kehrt Armgard Hasselmann an das Priesterseminar zurück.
Sommer 1986
Angebot an uns durch die "Bremische Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau GmbH". - Im August "1. Außerordentliche Gemeinde-Versammlung", anschließend 6 Stadtteil- Abende, 19. Sept. "2. Außerordentliche Gemeinde-Versammlung mit Beschlußfassung zum Unternehmen "Neue Kirche in Bremen". Advent 1986 1. Baubrief.
20./21. Nov. 86 Projektberatung durch 7 anthroposophische Architekten. - Ein Baukreis bildet sich, Wilhelm Tecklenborg übernimmt die federführung.
Mai 1987
Trennung von der Idee, Sozialbau-Wohnungen über dem neuen Gemeindesaal zu errichten. - Warten auf Neubewertung.
Juni 1987
Ein neuer, außerordentlich günstiger Kaufpreis liegt vor. Baukreis und Gemeinderat beschließen Kauf. Am 17. August wird der Kaufvertrag in der Kanzlei von Dr. Eissing unterzeichnet, bis 31. 12. 87 soll die Kaufsumme gestellt werden. Am 28. 8. 1987 2. Baubrief.
10. 10. 1987
Armgard Hasselmann - am 6. 9. 1987 in Hannover zur Priesterin geweiht - wird in ihr Amt eingeführt.
12. 11. 1987
Die Gemeinde wird 65 Jahre alt. Die Chronik wird vorgestellt.
Ende der Chronik, Die Chronik im PDF-Format