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Warum Christengemeinschaft?

Der Anfang des 21. Jahrhundert ist unter anderem gekennzeichnet durch eine Gefährdung und Auflösung alter und durch Gründung und Aufbau neuer Formen des sozialen Zusammenlebens. Ehe, Familie, Verwandtschaft, Volk - alle durch das gemeinsame Blut bestimmten Bindungen - werden fragwürdig. Vielfach ist die Vereinzelung und Vereinsamung oder der schrankenlose Egoismus an ihre Stelle getreten. Die Probleme der Gegenwart sind aber zu brennend und zu groß, um von Einzelnen gelöst werden zu können. Es bedarf des Zusammenwirkens von Ich und Wir, des Einzelnen und der Gemeinschaft, um ein Maximum der Kräfte zu entfalten, die zur Lösung der Gegenwartsfragen notwendig sind. Aus Freiheit und Einsicht wegweisende modellartige Formen im Sozialen zu schaffen und vorzulegen, ist eines der Ziele der Christengemeinschaft. Sie wurde 1922 als freie christliche Kirche gegründet (siehe "Hintergrund"). Sie hat im 20. Jahrhundert zunächst eine geistoffene, begeisternde und religiöse Wirksamkeit entfaltet. Doch der freiheitliche und kraftvolle Geist in Verbindung mit der Pflege eines christlichen Menschenbildes war so stark, dass sie 1941 unter dem nationalsozialistischen Regime verboten wurde. Die Pfarrer wurden verhaftet, die Literatur beschlagnahmt, die Ausübung des Gottesdienstes untersagt.

Nach dem Nazi-Verbot

Nach 1945 kam es in der Pfingstzeit zur Neugründung. In allen größeren deutschen Städten entstanden Gemeinden. Kirchen wurden errichtet, um das Leben der Gemeinden selbst, die sich um die Altäre scharen, aufzubauen. Dann entstand folgerichtig ein soziales Leben. In dem Maß, in dem sich die Zuwendung zu Gott auszuwirken begann, wandelte sich die Beziehung zum Mitmenschen. Sozialkreise bildeten sich in den Gemeinden. Sie linderten Not. Sie halfen zu einem brüderlichen Ausgleich. Sie betreuten Familien, Kranke und Sterbende. Doch bald waren die Gemeinden so herangewachsen, dass zusätzlich soziale Einrichtungen notwendig wurden.

Alten- und Pflegeheime

Ein erstes Altenheim wurde in Sonneberg in Thüringen aufgebaut. Die Fürsorge für den alten Menschen, die Pflege des gebrechlichen alten Menschen, das Ringen um ein menschenwürdiges Sterben, die Betreuung der Seelen über die Schwelle des Todes hinaus, wurden zu einem wichtigen Feld des karitativen Arbeitens der Christengemeinschaft. Eine Reihe von Alten- und Pflegeheimen wurde in Kassel, Siegen, Berleburg, Hannover, Goslar, Murrhardt, Stuttgart, Dresden, Ahrensburg, Wuppertal errichtet. Die Mitarbeiter dieser Heime finden sich zu besonderen Fortbildungskursen zusammen, um ständig die Qualität der Pflege aus der Kraft des christlichen Menschenbildes heraus zu entfalten.

Ferienlager

Am anderen Pol des Lebens erwuchs die Aufgabe, Kinder aus den Gemeinden zu betreuen und Kindergärten zu gründen. In Zusammenarbeit mit den Waldorf-Kindergärten werden für die vorschulische Phase der Kindesentwicklung Stätten geschaffen, in denen das schöpferische, phantasiebegabte und spielerische Wesen des Kindesalters voll zur Entfaltung kommen kann.

Das "Haus Freudenberg" im Süden (Söcking am Starnberger See) und das "Haus auf dem Berge" (Hauteroda in Thüringen) sind Ferien- und Freizeitstätten besonderer Prägung.

Ein anderer Zweig der Arbeit entwickelte sich aus den Kinder- und Jugendferienlagern der Christengemeinschaft. Von den Pfarrern Hilmar von Hinüber (+1971) und Alfred Schreiber (+1960) gegründet, finden sich seit Jahren in jedem Sommer Kinder und Jugendliche weiter über die Christengemeinschaft hinaus zu diesen Freizeiten mit Jugendpfarrern und Jugendhelfern zusammen. Wir hoffen, diesen Zweig der Sozialarbeit weiter ausbauen zu können.

Der Verband der Sozialwerke

Um diese Tätigkeit besser organisieren und koordinieren zu können, wurde 1960 der Verband der Sozialwerke gegründet. In ihm finden Ländersozialwerke ihren Dachverband. Dieser vertritt die soziale Arbeit der Christengemeinschaft im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband (Gesamtverband, Sitz Berlin), einem der sechs anerkannten Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege. Er repräsentiert diese Arbeit auch den Behörden der Bundesrepublik gegenüber. Alle sozialen Einrichtungen sowie die Ländersozialwerke sind auf der örtlichen und Landesebene ebenfalls Mitglieder des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Alle Mitarbeiter sind sich einig darin, dass die geistige Impulsierung, die menschliche Durchseelung, die brüderliche Durchdringung des Gebietes der freien Wohlfahrt, das wir begründet, aufgebaut und ausgebaut haben, Hauptanliegen sind. Lebendiges Christentum und damit lebendiges soziales Wirken sind Methode und Ziel der Sozialwerke der Christengemeinschaft.

Johannes Lenz